{"id":22,"date":"2018-02-28T10:53:00","date_gmt":"2018-02-28T08:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wp13410784.server-he.de\/?p=22"},"modified":"2020-12-21T11:37:31","modified_gmt":"2020-12-21T09:37:31","slug":"die-farbe-von-milch-von-nell-leyshon","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ktinka.com\/?p=22","title":{"rendered":"Die Farbe von Milch von Nell Leyshon"},"content":{"rendered":"<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-family: Cardo; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-bottom: 1.4em; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\">\n<div class=\"separator\" style=\"clear: both; text-align: center;\">\n<a href=\"http:\/\/wp13410784.server-he.de\/wp-2fbb4-content\/uploads\/2018\/02\/Bildschirmfoto2018-10-03um10.19.41-1024x679.png\" imageanchor=\"1\" style=\"margin-left: 1em; margin-right: 1em;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" border=\"0\" data-original-height=\"1056\" data-original-width=\"1592\" height=\"424\" src=\"http:\/\/wp13410784.server-he.de\/wp-2fbb4-content\/uploads\/2018\/02\/Bildschirmfoto2018-10-03um10.19.41-1024x679.png\" width=\"640\" \/><\/a><\/div>\n<p>\u00bbSch\u00f6n, aufgeweckt und reich, bei einem sorgenfreien Zuhause und einem gl\u00fccklichen Naturell \u2026\u00ab, bitte? Richtig, nicht etwa&nbsp;<strong style=\"box-sizing: inherit;\">Die Farbe von Milch<\/strong>&nbsp;von Nell Leyshon er\u00f6ffnet mit diesen Satz, sondern Jane Austens ber\u00fchmter Roman&nbsp;<strong style=\"box-sizing: inherit;\">Emma<\/strong>. Nell Leyshon richtet ihren Blick weg von sch\u00f6nen T\u00f6chtern aus gutem Haus. Weg von Picknicks, von Spazier- und \u00dcberlandfahrten in Kutschen. Weg von stattlichen Landsitzen wie Pemberley, wo Austens Elizabeth Bennet mit ihrem Mr. Darcey ein \u2013 hoffentlich \u2013 heiteres und zufriedenes Leben f\u00fchrt, w\u00e4hrend Mary, so hei\u00dft Leyshons Heldin, mit dem Erz\u00e4hlen ihrer Geschichte beginnt: \u00bbDies ist mein Buch und ich schreibe es eigenh\u00e4ndig. Es ist das Jahr des Herrn achtzehnhundertundeinunddrei\u00dfig und ich bin f\u00fcnfzehn geworden und sitze an meinem Fenster und kann viele Dinge sehen.\u00ab<\/div>\n<h2 style=\"box-sizing: inherit; clear: both; color: #333333; font-family: &quot;Playfair Display&quot;; font-size: 35px; font-weight: 400; letter-spacing: 0px; line-height: 1; margin: 0px 0px 0.3em; padding-top: 2px;\">\n\u00bbDies ist mein Buch, und ich schreibe es eigenh\u00e4ndig.\u00ab<\/h2>\n<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-family: Cardo; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-bottom: 1.4em; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\">\nSoziale Missst\u00e4nde beschrieb bereits Dickens eindringlich und auch bei den Bront\u00eb-Schwestern herrschte nicht nur eitel Sonnenschein. Dennoch kam mir beim Lesen von&nbsp;<strong style=\"box-sizing: inherit;\">Die Farbe von Milch<\/strong>&nbsp;zuallererst Jane Austen und die von ihr dargestellte Welt in den Sinn. Dabei k\u00f6nnte der Kontrast zwischen Austen und Leyshon nicht gr\u00f6\u00dfer sein. Vielleicht brachten die verschlungenen Pfade meines Gehirns deshalb die beiden Schriftstellerinnen deshalb zu einer merkw\u00fcrdigen Kombination zusammen. Bei Leyshon wie bei Austen ist die Heldin ein junges M\u00e4dchen. Ein Kind. Mary ist gerade f\u00fcnfzehn Jahre alt geworden, und anders als Emma Woodhouse&nbsp;weder sch\u00f6n, noch reich, noch mit einem sorgenfreien Dasein gesegnet. Au contraire: Marys Leben ist \u2013 gelinde gesagt \u2013 beschwerlich. Sie lebt auf einem Bauernhof, ist tagt\u00e4glich mit dem harten Leben auf dem Acker konfrontiert und noch dazu gestraft mit einer Familie, in der es an vielem mangelt, aber am meisten an W\u00e4rme, Liebe und Zuneigung. Aufgeweckt ist sie jedoch allemal und w\u00e4re ihr Leben nur ein wenig anders verlaufen, h\u00e4tte man ihr sicher auch ein gl\u00fcckliches Naturell bescheinigen k\u00f6nnen.<\/div>\n<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-family: Cardo; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-bottom: 1.4em; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\">\nAnders als bei Austens l\u00e4sst Leyshon ihre Protagonistin selbst zu Wort kommen. Immer wieder hei\u00dft es im Roman: \u00bbDies ist mein Buch, und ich schreibe es eigenh\u00e4ndig.\u00ab Eigenh\u00e4ndig. Warum legt Mary so viel Wert darauf, uns wissen zu lassen, dass sie die Zeilen eigenh\u00e4ndig schreibt? Warum erinnert sie immer wieder daran?<\/div>\n<h2 style=\"box-sizing: inherit; clear: both; color: #333333; font-family: &quot;Playfair Display&quot;; font-size: 35px; font-weight: 400; letter-spacing: 0px; line-height: 1; margin: 0px 0px 0.3em; padding-top: 2px;\">\nMalala &amp; #metoo<\/h2>\n<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-family: Cardo; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-bottom: 1.4em; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\">\nLeyshon situiert ihre Geschichte im England des 19. Jahrhundert, aber auch heute noch gibt es Gesellschaften, in denen M\u00e4dchen die M\u00f6glichkeit auf Bildung, auf ganz elementare Bildung wie Lesen und Schreiben, verweigert wird. Man denke nur an&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/malala_yousafzai\/\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\" style=\"box-sizing: inherit; color: #f5c7b8; font-weight: bold; text-decoration: none; transition: all 0.1s ease-in-out;\" target=\"_blank\">Malala Yousafzai<\/a>, die sich in ihrem Heimatland Pakistan f\u00fcr die Bildung von M\u00e4dchen und Frauen engagierte und daf\u00fcr fast mit ihrem Leben zahlte. Und auch die gerade aktuelle #metoo \u2013 Bewegung erscheint umso dringlicher, je bewusster man sich wird, dass alles, was schon schlimm erscheint, noch schlimmer sein kann.<\/div>\n<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-family: Cardo; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-bottom: 1.4em; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\">\nMarys Geschichte ist eine der traurigsten Geschichten, die ich jemals gelesen habe, gleichzeitig ist Mary jedoch eine der st\u00e4rksten und liebensw\u00fcrdigsten Frauenfiguren, die mir jemals in der Literatur begegnet sind. Geschuldet ist das der geschickten Verwebung von stofflichen und sprachlichen Mitteln. Marys Sprache ist zwar reduziert und die Interpunktion auf ein Minimum reduziert (noch weniger Kommata und der Text w\u00e4re unlesbar geworden), aber dennoch ungeheuer ausdrucksstark und tief ber\u00fchrend. Marys Geschichte beginnt zu einer Zeit, in der sie weder Lesen noch Schreiben konnte. Der Roman erz\u00e4hlt nicht nur wie sie es lernte, sondern auch welch hohen Preis sie daf\u00fcr \u2013 wie Malala \u2013 zahlte.<\/div>\n<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-family: Cardo; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\">\n<strong style=\"box-sizing: inherit;\">DIE FARBE VON MILCH<\/strong>&nbsp;von&nbsp;<strong style=\"box-sizing: inherit;\">NELL LEYSHON<\/strong><br \/>\nEisele Verlag. 207 Seiten. 18 Euro.<br \/>\nGebunden mit Schutzumschlag.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbSch\u00f6n, aufgeweckt und reich, bei einem sorgenfreien Zuhause und einem gl\u00fccklichen Naturell \u2026\u00ab, bitte? Richtig, nicht etwa&nbsp;Die Farbe von Milch&nbsp;von Nell Leyshon er\u00f6ffnet mit diesen Satz, sondern Jane Austens ber\u00fchmter Roman&nbsp;Emma. 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