{"id":42,"date":"2017-01-29T11:23:00","date_gmt":"2017-01-29T09:23:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wp13410784.server-he.de\/?p=42"},"modified":"2020-12-21T11:38:00","modified_gmt":"2020-12-21T09:38:00","slug":"nussschale-von-ian-mcewan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ktinka.com\/?p=42","title":{"rendered":"Nussschale von Ian McEwan"},"content":{"rendered":"<div class=\"separator\" style=\"clear: both; text-align: center;\"><\/div>\n<p><span style=\"font-family: inherit;\">Ian McEwan\u00a0geh\u00f6rt zweifellos zu den bedeutendsten Schriftstellern der Gegenwart. Seinen neuen \u2013 unl\u00e4ngst bei Diogenes erschienenen \u2013 Roman\u00a0\u00bbNussschale\u00ab\u00a0habe ich noch am Silvesterabend ausgelesen. Das Buch ist ein Pageturner! Dennoch hat meine\u00a0Rezension\u00a0auf sich warten lassen:\u00a0Nussschale\u00a0ist eines dieser B\u00fccher, die lange nachhallen und mit deren Verstehen man nicht leicht ans Ende kommt.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: inherit;\"><br \/>\nIn der Literatur tummeln sich ganz und gar unm\u00f6glichliche Erz\u00e4hlertypen. Serienm\u00f6rder, die in Anz\u00fcgen von Brioni abscheuliche Morde begehen, P\u00e4dophile, die ihre Schandtaten als Liebesgl\u00fcck zu verkaufen versuchen, oder auch Katzen, die Kriminalf\u00e4lle l\u00f6sen. Wer glaubte, es k\u00f6nnte in dieser Hinsicht keine \u00dcberraschungen mehr geben, hat seine Rechnung ohne Ian McEwan gemacht. Mit Blick auf\u00a0<b style=\"box-sizing: inherit;\">Nussschale<\/b>\u00a0k\u00f6nnte man \u2013 in Anlehnung an Nabokov \u2013 sagen:\u00a0\u00abYou can always count on a fetus for a fancy prose style\u00bb!<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: inherit;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-bottom: 1.4em; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\"><span style=\"font-family: inherit;\">\u00abSo, hier bin ich, kopf\u00fcber in einer Frau. Ich warte, die Arme geduldig gekreuzt, warte und frage mich, in wem ich bin und worauf ich mich eingelassen habe.\u00bb McEwans Erz\u00e4hler \u2013 laut seinem Sch\u00f6pfer ein unbedingt zuverl\u00e4ssiger Erz\u00e4hler \u2013 steht wenige Tage vor seiner Geburt. Noch im Bauch seiner Mutter breitet sich das ganze famili\u00e4re Drama, klassisch in seiner Konstellation, vor ihm aus: der Vater, die Mutter und der Liebhaber. Drei ist jedoch einer zu viel. Und so entspinnt sich ein sehr shakespeare\u2019scher Plot aus List, Leidenschaft, Verrat und Mord.<\/span><\/div>\n<p><span style=\"font-family: inherit;\">\u00dcberaus eloquent \u2013 seine Wortgewandtheit und sein umfangreiches Wissen zu allen m\u00f6glichen Themen verdankt der F\u00f6tus seiner Mutter, die zu jeder Tages- und Nachtzeit den BBC Worldservice und diverse Podcasts h\u00f6rt \u2013 sinniert der ungeborene Erz\u00e4hler auf den folgenden 274 Seiten \u00fcber den Zustand der Welt, \u00fcber Wissenschaft, \u00fcber Philosophie, jedoch auch \u00fcber sein Leben und die m\u00f6glichen Folgen der, von seiner Mutter und ihrem Liebhaber geplanten, Bluttat.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: inherit;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: inherit;\">Trudy, die Mutter. Claude, der Liebhaber. Der Sohn, dessen Vater ermordet wird.\u00a0<b style=\"box-sizing: inherit;\">Nussschale<\/b>\u00a0ist mit so vielen Anspielungen auf durchsetzt, dass der Leser alsbald unvermeidlich an Shakespeares\u00a0<b style=\"box-sizing: inherit;\">The Tragedy of Hamlet \u2013 Prince of Denmark\u00a0<\/b>denken muss. Sein\u00a0(durchaus humoristisches) K\u00f6nnen beweist McEwan mit S\u00e4tzen wie: \u00abAls wir zur\u00fcck ins Zimmer kommen, ist er immer noch am Telefon, hat sich inzwischen aber f\u00fcr D\u00e4nisch statt f\u00fcr Indisch entschieden \u2013 belegte Brote, eingelegte Heringe und Hackbraten.\u00bb<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: inherit;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: inherit;\"><b style=\"box-sizing: inherit;\">Nussschale<\/b>\u00a0ist \u2013 wie gesagt \u2013 ein Pageturner. Spannend und brillant geschrieben. Jedoch auch klug, und voller Themen, die dieser Tage hohe Wellen schlagen: Die Fl\u00fcchtlingskrise, die Weltpolitik. \u00a0McEwans Erz\u00e4hlung bleibt im Ged\u00e4chtnis (vielleicht liest man den ein oder anderen Absatz noch einmal), auch wenn man das Buch bereite lange zugeklappt hat. Ebenso, wie man es von IanMcEwan gewohnt ist. Ein Muss!<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: inherit;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: inherit;\"><strong style=\"box-sizing: inherit;\">NUSSSCHALE<\/strong>\u00a0von\u00a0<strong style=\"box-sizing: inherit;\">IAN McEWAN<\/strong><\/span><span style=\"font-family: inherit;\">Diogenes. 278 Seiten. 22 Euro.<\/span><span style=\"font-family: inherit;\">Leinengebunden mit Schutzumschlag.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: inherit;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: inherit;\">Vielen Dank an den Diogenes Verlag f\u00fcr das Rezensionsexemplar!<\/span><\/p>\n<div class=\"separator\" style=\"box-sizing: inherit; clear: both; font-size: 16px; letter-spacing: 1px; text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"separator\" style=\"box-sizing: inherit; clear: both; font-size: 16px; letter-spacing: 1px; text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"separator\" style=\"box-sizing: inherit; clear: both; font-size: 16px; letter-spacing: 1px; text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"separator\" style=\"box-sizing: inherit; clear: both; font-size: 16px; letter-spacing: 1px; text-align: justify;\"><\/div>\n<div class=\"separator\" style=\"box-sizing: inherit; clear: both; font-size: 16px; letter-spacing: 1px; text-align: justify;\"><\/div>\n<div style=\"box-sizing: inherit; color: #333333; font-size: 18px; letter-spacing: 1px; line-height: 1.5; margin-bottom: 1.4em; margin-top: 21px; padding-left: 8px; padding-right: 10px;\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ian McEwan\u00a0geh\u00f6rt zweifellos zu den bedeutendsten Schriftstellern der Gegenwart. 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