Rezension: MASCHINEN WIE ICH von IAN McEWAN

In Ian McEwans neuem Roman MASCHINEN WIE ICH greift der britische Autor, der zu den erfolgreichsten Gegenwartsautoren zählt, das Thema der Künstlichen Intelligenz auf. Ich habe das lange Pfingstwochenende genutzt und es mir mit dem Buch gemütlich gemacht.

Statt eines Hauses auf der anderen Seite der Themse zu kaufen, gibt Charlie (Single, Anfang Dreißig, Cable Club Kid) sein recht stattliches Erbe für einen Androiden aus. Bereits seit der Schulzeit fasziniert von Technik, MUSS er einfach einen der ersten jemals produzierten Androiden besitzen. Der Tag, an dem Adam, so heißen die männlichen Androiden, geliefert wird, ist auch der Tag, an dem Charlie sich darüber klar wird, dass er sich in seine junge Nachbarin Miranda verliebt hat. Miranda jedoch scheint sich für Charlie und Adam, der einem Menschen zum Verwechseln ähnlich sieht, gleichermaßen zu interessieren.

MASCHINEN WIE ICH wäre kein richtiger McEwan besäße der Roman, neben dem Erzählstrang der sich entspinnenden Dreiecksbeziehung (Sex, Liebe und Eifersucht inkl.), nicht auch eine Komponente der moralischen Abgründigkeit. Adam, so zeigt sich, trifft mitunter gänzlich andere Entscheidungen, als Miranda und Charlie. Noch dazu entwickelt er eine Autonomie, die ihn gegen seine „Freunde“ handeln lässt. Schon bald sehen Miranda und Charlie sich direkt mit den unliebsamen und sehr traurigen Auswirkungen von Adams Entscheidungen und Handlungen konfrontiert.

McEwan versetzt seine Romanhandlung in die nicht allzu ferne Vergangheit. Der Roman spielt in den 1980er Jahren und einige entsetzliche realhistorische Dinge sind einfach nicht geschehen: John Lennon ist nicht ermordert worden und Alan Turing, dessen Lebensgeschichte herzzerreißend ist, hat sich nicht das Leben genommen. Schön wäre es gewesen!

Sprachlich interessant ist MASCHINEN WIE ICH allemal, denn oftmals kam ich nicht umhin, mich zu fragen, wieviel Künstliche Intelligenz in Charlie, dem Protagonisten und Erzähler steckt, oder ob sich vielleicht am Ende Adam, der immerhin gern Haikus verfasst, als Erzähler entpuppen würde? Oder ob Miranda in ihrer Gleichgültigkeit eventuell ein Androide ist? Das alles gehört zu dem Spiel, das McEwan spielt. Was unterscheidet uns von Robotern? Welches Verhalten ist moralisch? Welches unmoralisch?

MASCHINEN WIE ICH ist ein süffiger, unterhaltender Roman mit jeder Menge Tiefgründigkeit. McEwan hat, wie gewohnt, detailliert recherchiert. Vielleicht ist es dem Thema der Künstlichen Intelligenz geschuldet, das mich einfach nicht packt, vielleicht war ich nicht in Stimmung für die vielen philosophischen Ideen, die McEwan anreißt: Ich habe MASCHINEN WIE ICH gern gelesen, doch „gekriegt“ wie ABBITTE oder NUSSSCHALE, hat der Roman mich nicht. Lesenwert ist er jedoch alle Mal.

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Leseexemplar!

MASCHINEN WIE ICH von IAN McEWAN
Leineneinband.  416 Seiten. 25 Euro.

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